Der verschobene Würfel
Der Kubus wird oft mit dem modernen Ausstellungsraum in Verbindung gebracht: neutral, weiß, still. Doch diese Neutralität ist konstruiert. Der „White Cube“ erzeugt ein spezifisches Wahrnehmungsregime (O’Doherty).
In meiner Forschung wird der Kubus eher zu einer Bedingung als zu Architektur.
Das festgelegte Format – oft quadratisch – schafft eine Äquivalenz der Achsen. Es neutralisiert die Richtungshierarchie und verstärkt die inneren Kräfte.
Der Kubus ist auch zeitlich definiert. Die festgelegte Dauer von drei Minuten fungiert als Volumeneinheit. Ein abgegrenzter Raum-Zeit-Bereich. Diese Verschiebung verwandelt den Kubus von einem äußeren Rahmen in eine integrierte Struktur.
Das Werk enthält seine eigene Bedingung. Es hängt nicht mehr ausschließlich vom Ausstellungsraum ab. Es trägt ein mikrosensorisches Wahrnehmungsregime in sich.
Der Kubus ist kein Ort mehr. Er wird zum Prinzip.
Literaturverzeichnis
O’Doherty, Brian. *Inside the White Cube*. 1976. Krauss, Rosalind. „Sculpture in the Expanded Field“, 1979. Foucault, Michel. „Des espaces autres“, 1967. Sloterdijk, Peter. *Sphären I: Blasen*. 1998.