Nell's Echoes
Anmelden
Zurück zum Journal

Resonanz: Jenseits des Klanglichen

Resonanz ist nicht bloß ein akustischer Effekt.

Jean-Luc Nancy beschreibt in „À l’écoute“ das Hören als Öffnung für eine Schwingung, die das Subjekt durchdringt. Der Klang bleibt nicht am Ohr stehen: Er versetzt den Körper in einen bestimmten Zustand.

Hartmut Rosa erweitert diesen Begriff, indem er von Resonanz als einer Beziehungsform spricht: einer Beziehung, in der etwas antwortet, verwandelt und einbezieht.

In meiner Praxis wird die Stimme als konturloses Material betrachtet. Sie hat keine sichtbare Form, verfügt jedoch über eine Ausbreitungskraft.

Die Opernstimme verstärkt durch ihre Bandbreite und ihre hohen Frequenzen diese Schwingungsdimension. Sie begnügt sich nicht damit, gehört zu werden. Sie hüllt ein.

Resonanz bedeutet hier nicht Interaktion. Sie bedeutet Transformation.

Der Zuschauer, der das Werk durch einen Schallimpuls aktiviert, löst keinen Mechanismus aus, der außerhalb seiner selbst liegt. Er tritt in eine Schwingungskette ein.

Literaturverzeichnis

Nancy, Jean-Luc. *À l’écoute*. Galilée, 2002. Rosa, Hartmut. *Resonanz. Eine Soziologie der Beziehung zur Welt*. 2016. Ihde, Don. *Listening and Voice: Phenomenologies of Sound*. 1976. Cavarero, Adriana. *For More Than One Voice*. 2005.